Kurz erklärt
Menschen mit Demenz gibt ein gleichbleibender Tagesablauf Halt: feste Zeiten für Mahlzeiten, Ruhe, Beschäftigung und Schlafen. Große Kalender, Uhren und beschriftete Schränke helfen bei der Orientierung. Weil das Durstgefühl oft nachlässt, sollten Getränke immer in Sichtweite stehen. Eine übersichtliche, gut beleuchtete Wohnung ohne Stolperfallen senkt das Unfallrisiko.

Mit einer Demenz wird der Alltag Schritt für Schritt unübersichtlicher. Termine geraten durcheinander, Mahlzeiten werden vergessen, die Kaffeemaschine bleibt an. Angehörige können viel tun, damit sich ihr Angehöriger trotzdem sicher fühlt. Oft sind es kleine Veränderungen, die den größten Unterschied machen.
Warum Struktur Sicherheit gibt
Bei einer Demenz lässt das Kurzzeitgedächtnis nach. Neues kann kaum noch verarbeitet werden. Unerwartete Änderungen im Tagesablauf erleben Menschen mit Demenz deshalb selten als Abwechslung, sondern oft als Bedrohung. Manchmal verweigern sie dann ganze Tätigkeiten, etwa das Baden oder Anziehen.
Gleichbleibende Abläufe geben dagegen Halt. Was Angehörigen eintönig vorkommt, bedeutet für den Menschen mit Demenz weniger Stress. Deshalb gilt: Behalten Sie bewährte Gewohnheiten so lange wie möglich bei. Wenn sich etwas ändern muss, führen Sie es langsam und schrittweise ein.
Einen Tagesablauf gestalten
Das Zeitgefühl geht bei einer Demenz nach und nach verloren. Wer allein ist, glaubt oft, es seien Stunden vergangen, obwohl es nur Minuten waren. Feste Zeiten helfen, den Tag zu gliedern:
- Mahlzeiten immer zur gleichen Zeit, am besten gemeinsam
- Ruhephasen nach dem Mittagessen, aber nicht zu lang
- Beschäftigung und Bewegung am Vormittag und Nachmittag, etwa ein täglicher Spaziergang
- Zubettgehen mit einem festen Ritual, zum Beispiel einem warmen Tee
Auch Wochentage und Jahreszeiten lassen sich über Gewohnheiten erlebbar machen. War samstags immer Badetag, bleibt es dabei. Familientraditionen wie gemeinsames Plätzchenbacken im Advent geben Orientierung und verbinden mit der eigenen Lebensgeschichte.
Statt genauer Uhrzeiten verstehen Menschen mit Demenz oft Angaben wie „nach dem Mittagessen“ besser.
Beschäftigung: gebraucht werden
Menschen mit Demenz möchten dazugehören und etwas Sinnvolles tun. Das bleibt oft lange erhalten, auch wenn Planen und Denken schwerer werden. Lassen Sie Ihren Angehörigen so viel wie möglich selbst machen, auch wenn es länger dauert.
Gut geeignet sind Tätigkeiten, die er schon immer gern gemacht hat:
- Tischdecken, Kartoffeln schälen, Wäsche falten, Staub wischen
- Gießen oder leichte Gartenarbeit
- gemeinsames Singen vertrauter Lieder oder Musikhören
- Fotoalben anschauen und von früher erzählen
- Spaziergänge, Ausflüge, ein Café-Besuch
Perfektion ist nicht wichtig. Fehlt beim Tischdecken eine Untertasse, korrigieren Sie das später unauffällig. Lob tut gut, Kritik belastet. Zerlegen Sie Aufgaben in kleine Schritte, etwa indem Sie beim Backen die Zutaten nacheinander reichen. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Angehöriger nicht dauerhaft ins Bett zurückzieht.
Orientierung in der Wohnung und im Kalender
Ein paar einfache Hilfen erleichtern die Orientierung:
- ein großer, gut lesbarer Kalender, auf dem das heutige Datum markiert ist
- eine Uhr mit großen Zeigern
- ein Wochenplan mit wiederkehrenden Terminen, gut sichtbar aufgehängt
- feste Plätze für Schlüssel, Brille und Geldbörse
- beschriftete Schränke und Schubladen, zum Beispiel mit Bildern
- Bilder an den Türen, etwa ein Bett an der Schlafzimmertür oder ein Kochtopf an der Küchentür
- wichtige Telefonnummern groß geschrieben neben dem Telefon
Möbel und Erinnerungsstücke bleiben am besten an ihrem gewohnten Platz. Sie geben ein Gefühl von Sicherheit. Unruhige Muster auf Teppichen oder Tischdecken können dagegen verwirren und werden manchmal sogar als Hindernis wahrgenommen.
Essen und Trinken
Essen ist für viele Menschen mit Demenz eine der Freuden, die bleiben. Gleichzeitig gibt es typische Schwierigkeiten: Mahlzeiten werden vergessen, das Durstgefühl lässt nach, der Umgang mit Besteck fällt schwer. Manchmal glaubt die Person auch, schon gegessen zu haben.
Was helfen kann:
- Getränke immer in Sichtweite. Stellen Sie an mehreren Stellen in der Wohnung etwas zu trinken hin und bieten Sie regelmäßig etwas an. Getränke mit Farbe und Geschmack werden oft lieber genommen als Wasser.
- Mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer, ansprechend angerichtet.
- Fingerfood, wenn Besteck schwierig wird, zum Beispiel belegte Brothäppchen oder Obststücke. Mit den Fingern zu essen ist in Ordnung.
- Kräftig würzen, denn der Geschmackssinn lässt oft nach. Vertraute Gerichte kommen meist gut an.
- Kontraste nutzen: Geschirr, das sich farblich vom Tisch abhebt, und Tischdecken ohne Muster.
- Gemeinsam essen, wenn es Ihrem Angehörigen gefällt. Sehr zurückhaltende Menschen kann eine große Runde aber auch überfordern.
Fertiggerichte, die sich leicht erwärmen lassen, sind eine gute Lösung, wenn niemand täglich kochen kann.
Sicherheit zu Hause
Vergesslichkeit und veränderte Wahrnehmung erhöhen das Risiko für Unfälle. Absolute Sicherheit gibt es nicht, und zu viel Überwachung nimmt Selbständigkeit. Es lohnt sich aber, die Wohnung gezielt auf Gefahren zu prüfen:
- Küche: Eine Herdsicherung schaltet den Herd nach einer bestimmten Zeit oder bei Überhitzung ab. Gefährliche Geräte wie das Bügeleisen außer Reichweite aufbewahren.
- Bad: Warmwassertemperatur begrenzen, damit sich niemand verbrüht. Haltegriffe und rutschfeste Matten anbringen. Die Badezimmertür sollte sich auch von außen öffnen lassen.
- Stürze vermeiden: Stolperfallen und rutschende Teppiche entfernen, für helles Licht ohne dunkle Ecken sorgen, Treppen mit stabilen Handläufen sichern.
- Kontraste: Lichtschalter, Toilette, Geländer und Stufen farblich hervorheben.
- Unter Verschluss: Medikamente und Putzmittel.
- Wasser: Ein Wassermelder warnt, wenn ein Hahn nicht zugedreht wurde.
Viele weitere Anregungen finden Sie Raum für Raum in unserer Rubrik Das sichere Zuhause. Für größere Umbauten kann die Pflegekasse bei einem Pflegegrad einen Zuschuss von bis zu 4.180 € je Maßnahme zahlen. Wie das geht, lesen Sie unter Wohnraumanpassung.
Was bedeutet das für mich?
Sie müssen nicht alles auf einmal ändern. Beginnen Sie mit dem, was Ihnen die meisten Sorgen macht:
- Legen Sie feste Zeiten für Essen, Ruhe und Schlafen fest.
- Hängen Sie einen großen Kalender und einen Wochenplan auf.
- Stellen Sie Getränke gut sichtbar bereit.
- Prüfen Sie Küche, Bad und Flur auf Gefahren.
Unterstützung im Alltag kann entlasten. Den Entlastungsbetrag von bis zu 131 € im Monat können Sie zum Beispiel für Betreuung oder Hilfe im Haushalt nutzen. Ab Pflegegrad 2 kommt auch eine Tagespflege infrage, die Struktur und Gesellschaft bietet. Weil bei der Begutachtung auch Verstehen, Erinnern und die Gestaltung des Alltags bewertet werden, lohnt sich ein Blick auf den Pflegegrad, mehr unter MD-Begutachtung. Welche Hilfen für Sie infrage kommen, zeigt der PflegeCheck.
Häufig gestellte Fragen
Wie bekomme ich meinen Vater dazu, genug zu trinken?
Stellen Sie Getränke gut sichtbar an mehrere Stellen in der Wohnung und bieten Sie immer wieder etwas an, am besten gemeinsam. Viele Menschen mit Demenz trinken lieber etwas mit Geschmack als reines Wasser. Wie viel Ihr Vater trinken sollte, besprechen Sie mit der Hausarztpraxis, vor allem bei Herz- oder Nierenerkrankungen.
Darf ein Mensch mit Demenz noch allein zu Hause bleiben?
Das hängt von der Situation ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, ob Gefahren wie ein eingeschalteter Herd oder Stürze beherrschbar sind. Sicherungen wie eine Herdabschaltung und regelmäßige Besuche können helfen. Lassen Sie sich im Zweifel beraten.
Welche Beschäftigung passt bei Demenz?
Am besten Tätigkeiten, die Ihr Angehöriger schon immer gern gemacht hat und bei denen er sich nützlich fühlt, etwa Tischdecken, Wäsche falten oder Gartenarbeit. Musik, Fotoalben und Spaziergänge kommen ebenfalls oft gut an. Wichtig ist, weder zu überfordern noch zu unterfordern.
Zahlt die Pflegekasse etwas für Umbauten in der Wohnung?
Das kann infrage kommen. Mit einem Pflegegrad kann die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4.180 € je Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds zahlen. Fragen Sie vor dem Umbau bei Ihrer Pflegekasse nach.
Was bringt eine Tagespflege bei Demenz?
In der Tagespflege verbringt Ihr Angehöriger den Tag in einer Einrichtung mit Programm und Gesellschaft und ist abends wieder zu Hause. Das gibt Struktur und entlastet Sie. Ab Pflegegrad 2 zahlt die Pflegekasse dafür einen eigenen monatlichen Betrag.
Quellen & Stand
Leistungsbeträge Stand: Januar 2026 (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit: Leistungsansprüche der Versicherten im Jahr 2026 (Stand 04.11.2025)).
Zuletzt geprüft: 29.09.2026.
- gesund.bund.de: Demenz: Empfehlungen für pflegende Angehörige
- Bundesministerium für Gesundheit: Online-Ratgeber Demenz – Gestaltung des Wohn- und Lebensraums
- Bundesministerium für Gesundheit: Online-Ratgeber Demenz – Hilfe bei der Sorge für sich selbst (u. a. Essen und Trinken)
- Wegweiser Demenz (Bundesfamilienministerium): Ernährung
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Tipps für den Alltag
- § 40 SGB XI – Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Pflegekasse, Ärztin oder Arzt. Welche Leistungen im Einzelfall zustehen, entscheidet die Pflege- bzw. Krankenkasse.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren
Persönliche Unterstützung
BESSER UMSORGT hilft im Haushalt, beim Einkaufen und Kochen und begleitet Menschen mit Demenz im Alltag, etwa bei Spaziergängen, beim gemeinsamen Kochen oder zu Terminen. In der Demenzberatung besprechen wir mit Angehörigen auch, wie die Wohnung sicherer werden kann.
BESSER UMSORGT ist Ihr ambulanter Pflegedienst in Sinzig, Remagen und Bad Breisig.