Unruhe, Misstrauen, Weglaufen: herausfordernde Situationen bei Demenz

Wenn ein Mensch mit Demenz unruhig, misstrauisch oder aggressiv wird oder nach Hause will: mögliche Gründe, was im Moment hilft und wann Sie Hilfe holen.

Redaktion BESSER UMSORGTVeröffentlicht: Zuletzt geprüft:

Kurz erklärt

Unruhe, Misstrauen, Wut oder der Drang wegzugehen haben bei Demenz fast immer einen Grund, den die Person nicht mehr in Worte fassen kann, etwa Schmerzen, Angst oder Überforderung. Ruhig bleiben, nicht diskutieren und auf das Gefühl eingehen hilft oft mehr als Erklären. Wird jemand plötzlich deutlich verwirrter, sollte das rasch ärztlich abgeklärt werden. Angehörige müssen solche Situationen nicht allein tragen: Beratung und Entlastungsangebote können helfen.

Jüngere Hände halten beruhigend die Hand einer älteren Frau

Der Vater läuft am Abend ruhelos durch die Wohnung. Die Mutter wirft der Tochter vor, sie habe ihr Geld genommen. Ein sonst sanfter Mensch schreit plötzlich. Solche Situationen gehören für viele Familien zum Alltag mit Demenz. Dieser Beitrag erklärt, was dahinterstecken kann, was im Moment hilft und wann Sie Unterstützung holen sollten.

Hinter dem Verhalten steckt oft ein Grund

Fachleute sprechen von „herausforderndem Verhalten“. Der Begriff macht deutlich: Das Verhalten ist für alle Beteiligten schwer, aber es hat meistens einen Anlass. Menschen mit Demenz können ihn nur oft nicht mehr in Worte fassen. Mögliche Auslöser sind:

  • Körperliche Beschwerden: Schmerzen, Hunger, Durst, ein voller Darm oder eine volle Blase, eine Infektion. Achten Sie auf Zeichen wie Schonhaltung, schnelles Atmen oder das Reiben oder Festhalten eines Körperteils.
  • Überforderung und Angst: zu viele Menschen, Lärm, Hektik, eine unverständliche Situation oder eine plötzliche Berührung.
  • Langeweile und Einsamkeit: wenn der Tag keine Beschäftigung bietet.
  • Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.
  • Medikamente: Auch Nebenwirkungen können Unruhe verstärken.

Überlegen Sie nach einer schwierigen Situation in Ruhe: Was war vorher? Gibt es ein Muster, etwa bei der Körperpflege? Einen Auslöser können Sie beim nächsten Mal vielleicht vermeiden.

Unruhe und Bewegungsdrang

Viele Menschen mit Demenz haben einen starken Bewegungsdrang. Gehen ist eine der wenigen Tätigkeiten, die sie noch selbständig können. Es stärkt das Körpergefühl und die Stimmung. Oft suchen sie dabei auch nach etwas, das ihnen fehlt: einem vertrauten Ort, einem Menschen, einem Gefühl von Geborgenheit.

Was helfen kann:

  • Bewegung zulassen, solange die Umgebung sicher ist. Laufen lassen ist oft die beste Lösung.
  • Nach der Ursache suchen: Hat die Person Hunger, Durst, Schmerzen oder muss sie zur Toilette? Drückt vielleicht nur der Schuh?
  • Gemeinsam etwas anderes tun, zum Beispiel einen Spaziergang machen, Musik hören oder eine vertraute Aufgabe wie Kartoffelschälen übernehmen.
  • Sicherheit vermitteln: „Ich bin da, du bist hier sicher.“

Bei nächtlicher Unruhe hilft oft ausreichend Bewegung am Tag, ein begrenzter Mittagsschlaf und ein festes Abendritual. Greifen Sie nicht ohne ärztliche Rücksprache zu Beruhigungs- oder Schlafmitteln, auch nicht zu frei verkäuflichen. Sie können Nebenwirkungen haben und Unruhe sogar verstärken.

Weglaufen: vorbeugen und vorbereitet sein

Manche Menschen mit Demenz verlassen die Wohnung und finden nicht zurück. Oft wollen sie irgendwohin, zur früheren Arbeit, zu den Eltern, „nach Hause“. Fachleute sprechen deshalb auch von Hinlaufen.

So können Sie vorbeugen:

  • Türsignale: Ein Glöckchen, ein Türgong oder eine Signalmatte zeigt an, wenn jemand die Wohnung verlässt.
  • Kontaktdaten dabeihaben: Ein Armband, eine Kette oder eine Karte in der Jackentasche mit der Telefonnummer einer Kontaktperson. Die Wohnadresse steht nach Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums besser nicht darauf, um Einbrüchen vorzubeugen.
  • Umfeld informieren: Erzählen Sie Nachbarn und Geschäften in der Umgebung von der Erkrankung.
  • Fotos bereithalten: Legen Sie mehrere aktuelle Fotos bereit, falls Sie die Polizei einschalten müssen.
  • Auto: Achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger nicht mit dem Auto losfährt, und bewahren Sie die Schlüssel außer Sichtweite auf. Ob er noch fahren kann, klären Sie am besten ärztlich.

Ob ein Ortungsgerät passt, sollte man gut abwägen und möglichst gemeinsam mit dem Betroffenen entscheiden. Die Bewegungsfreiheit einzuschränken, etwa durch Einschließen, ist dagegen rechtlich problematisch und kann Angst und Wut auslösen. Lassen Sie sich dazu beraten.

Ist Ihr Angehöriger verschwunden, schauen Sie zuerst an Orten nach, die für ihn früher wichtig waren. Finden Sie ihn nicht rasch, informieren Sie die Polizei.

Misstrauen und Beschuldigungen

Es tut weh, vom eigenen Vater als Dieb bezeichnet zu werden. Solche Vorwürfe sind aber keine bösartige Unterstellung. Sie sind ein Versuch, Lücken in der Erinnerung zu füllen. Oft verstecken Menschen mit Demenz Geld, Schlüssel oder auch Lebensmittel, um sie in Sicherheit zu bringen. Finden sie die Dinge nicht wieder, erscheint ihnen Diebstahl als einzige Erklärung.

  • Nehmen Sie den Vorwurf nicht persönlich. Er ist ein Symptom der Krankheit.
  • Diskutieren Sie nicht und bezichtigen Sie Ihren Angehörigen nicht der Lüge.
  • Beruhigen Sie und helfen Sie beim Suchen. Meist beruhigt es schon, wenn der Gegenstand wieder da ist.
  • Merken Sie sich die üblichen Verstecke. Schauen Sie auch in Papierkörbe, bevor Sie sie leeren.
  • Geben Sie wichtigen Dingen einen festen Platz.

Wut und Aggression

Manchmal schimpft oder schreit ein Mensch mit Demenz, selten schlägt er auch. Das kommt auch bei Menschen vor, die früher sehr sanft waren. Häufige Auslöser sind Angst, Überforderung oder Missverständnisse, zum Beispiel wenn jemand bei der Körperpflege nicht versteht, warum ihn ein „Fremder“ ausziehen will.

In der Situation hilft:

  • Atmen Sie durch und bleiben Sie möglichst ruhig. Einen Streit mit einem Menschen mit Demenz kann man nicht gewinnen.
  • Sprechen Sie leise und freundlich. Lenken Sie ab, etwa mit Musik, einem Lieblingslied oder einem Themenwechsel.
  • Halten Sie Ihr Gegenüber nicht fest und lassen Sie Raum. Halten Sie sich selbst einen Weg nach draußen offen.
  • Wird es gefährlich, verlassen Sie den Raum. Im Notfall rufen Sie Hilfe.

Sprechen Sie wiederholte Aggression in der Arztpraxis an. Mehr zur Gesprächsführung lesen Sie unter Kommunikation bei Demenz.

Plötzlich verwirrter: ärztlich abklären lassen

Eine Demenz entwickelt sich meist über Monate und Jahre. Wenn jemand dagegen innerhalb von Stunden oder Tagen deutlich verwirrter oder unruhiger wird, kann ein sogenanntes Delir dahinterstecken. Das ist ein akuter Verwirrtheitszustand. Er tritt häufig nachts auf, und die Beschwerden wechseln im Laufe des Tages stark.

Ein Delir kann zum Beispiel durch Medikamente, Flüssigkeitsmangel, Fieber, Schmerzen oder eine Operation ausgelöst werden, auch durch die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus. Menschen mit Demenz sind besonders gefährdet. Lassen Sie plötzliche Veränderungen deshalb immer zeitnah ärztlich abklären. Das gilt auch, wenn sich das Verhalten ohne erkennbaren Grund stark verschlechtert oder Sie Schmerzen vermuten.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll sein kann

Holen Sie sich Unterstützung, wenn

  • schwierige Situationen häufiger werden oder Sie keinen Auslöser finden,
  • Sie sich selbst bedroht fühlen oder Angst haben, die Beherrschung zu verlieren,
  • Ihr Angehöriger sich oder andere gefährdet,
  • Sie nachts kaum noch schlafen.

Erste Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis und Beratungsstellen. Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berät unter 030 259 37 95 14 (Festnetz), montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr, auf Wunsch anonym. Pflegestützpunkte beraten kostenlos zu Hilfen vor Ort. Unsere Demenzberatung gibt Tipps zum Umgang mit Unruhe und zu einer sicheren Wohnung.

Denken Sie auch an den Pflegegrad. Bei der Begutachtung wird im Bereich „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ unter anderem bewertet, ob nächtliche Unruhe, Ängste, Aggression oder die Abwehr von Unterstützung vorkommen. Führen Sie dafür ein paar Tage lang Notizen, mehr unter MD-Begutachtung. Ob ein erster Antrag oder eine Höherstufung infrage kommt, können Sie mit dem PflegeCheck einschätzen.

Entlastung für Angehörige

Niemand kann einen Menschen mit Demenz rund um die Uhr begleiten, ohne sich zu überfordern. Überlastung macht ungeduldig und führt zu mehr Konflikten. Pausen helfen deshalb auch Ihrem Angehörigen.

Diese Hilfen kommen je nach Pflegegrad infrage:

  • Stundenweise Betreuung über den Entlastungsbetrag von bis zu 131 € im Monat
  • Tagespflege ab Pflegegrad 2, die dem Tag Struktur gibt
  • Verhinderungspflege ab Pflegegrad 2, wenn Sie eine Auszeit brauchen, auch stundenweise
  • Angehörigengruppen, in denen Sie sich mit Menschen in ähnlicher Lage austauschen
  • Kostenlose Pflegekurse, in denen Sie den Umgang mit schwierigen Situationen üben können

Weitere Ideen finden Sie unter Entlastung für Angehörige. Wenn Sie merken, dass Ihnen alles zu viel wird, lesen Sie Überforderung und Selbstfürsorge. Bei akuter seelischer Belastung erreichen Sie die TelefonSeelsorge kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.

Häufig gestellte Fragen

Meine Mutter beschuldigt mich, ihr Geld gestohlen zu haben. Was soll ich tun?

Nehmen Sie den Vorwurf nicht persönlich, er gehört zur Erkrankung. Oft hat sie das Geld selbst versteckt und findet es nicht wieder. Diskutieren Sie nicht, sondern beruhigen Sie und helfen Sie beim Suchen. Merken Sie sich die üblichen Verstecke.

Darf ich die Wohnungstür abschließen, damit mein Vater nicht wegläuft?

Das ist eine heikle Frage. Die Bewegungsfreiheit eines Menschen einzuschränken, ist rechtlich problematisch und kann ihn zusätzlich verängstigen. Nutzen Sie zuerst andere Möglichkeiten wie Türsignale und lassen Sie sich beraten, zum Beispiel beim Alzheimer-Telefon oder einem Pflegestützpunkt.

Was mache ich, wenn mein Angehöriger verschwunden ist?

Suchen Sie zuerst die Orte ab, die für ihn früher wichtig waren. Finden Sie ihn nicht rasch, informieren Sie die Polizei. Halten Sie dafür vorsorglich aktuelle Fotos bereit.

Mein Vater ist seit zwei Tagen viel verwirrter als sonst. Ist das die Demenz?

Nicht unbedingt. Eine Demenz verändert sich meist langsam. Plötzliche Verwirrtheit kann andere Ursachen haben, zum Beispiel Fieber, Flüssigkeitsmangel oder Medikamente, und sollte rasch ärztlich abgeklärt werden.

Kann ich meinem Angehörigen bei Unruhe ein Beruhigungsmittel geben?

Bitte nicht ohne ärztliche Rücksprache, auch nicht mit frei verkäuflichen Mitteln. Sie können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben und Unruhe oder Stürze sogar verstärken. Sprechen Sie Unruhe und Schlafprobleme in der Arztpraxis an.

Quellen & Stand

Leistungsbeträge Stand: Januar 2026 (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit: Leistungsansprüche der Versicherten im Jahr 2026 (Stand 04.11.2025)).

Zuletzt geprüft: 29.09.2026.

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Pflegekasse, Ärztin oder Arzt. Welche Leistungen im Einzelfall zustehen, entscheidet die Pflege- bzw. Krankenkasse.

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Persönliche Unterstützung

In der Demenzberatung von BESSER UMSORGT besprechen wir mit Angehörigen, wie sie mit Unruhe umgehen und die Wohnung sicherer gestalten können, und weisen auf Entlastungsangebote hin. Wenn Sie eine Pause brauchen, übernehmen wir im Rahmen der Verhinderungspflege stundenweise oder tageweise.

BESSER UMSORGT ist Ihr ambulanter Pflegedienst in Sinzig, Remagen und Bad Breisig.