Überforderung erkennen, Hilfe annehmen, auf sich achten

Erschöpft von der Pflege? Woran Sie Überlastung erkennen, wie Gespräche in der Familie gelingen, wie Sie Hilfe annehmen und wo es Beratung gibt.

Redaktion BESSER UMSORGTVeröffentlicht: Zuletzt geprüft:

Kurz erklärt

Pflege kann erschöpfen, das ist kein persönliches Versagen. Warnzeichen wie dauernde Müdigkeit, Gereiztheit oder Rückzug sollten Sie ernst nehmen. Es hilft, Aufgaben in der Familie offen zu verteilen und Entlastung wie Tagespflege, Verhinderungspflege oder den Entlastungsbetrag zu nutzen. Rat gibt es bei der Pflegeberatung der Pflegekasse, in manchen Bundesländern auch bei Pflegestützpunkten. In einer Krise sind die Hausarztpraxis und die TelefonSeelsorge erreichbar.

Eine jüngere Hand hält behutsam die Hand einer älteren Frau

Wenn Pflege an die Kräfte geht

Einen Menschen zu pflegen, den man liebt, ist oft selbstverständlich. Und es ist anstrengend. Die Pflege hört abends nicht auf, sie hat kein Wochenende und selten Urlaub. Dazu kommen Sorgen, Trauer über die Veränderung eines geliebten Menschen und manchmal auch Streit in der Familie.

Wenn Sie sich erschöpft fühlen, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass Sie schon lange sehr viel geben. Wer auf sich achtet, handelt nicht egoistisch. Im Gegenteil: Nur wer selbst bei Kräften bleibt, kann auf Dauer für einen anderen Menschen da sein.

Warnzeichen ernst nehmen

Überlastung kommt meist schleichend. Diese Zeichen können darauf hinweisen, dass es zu viel wird:

  • Sie sind ständig müde, auch nach dem Schlafen.
  • Sie schlafen schlecht oder wachen nachts oft auf.
  • Sie sind gereizt, ungeduldig oder weinen häufiger als früher.
  • Sie haben kaum noch Kontakt zu Freunden und geben Hobbys auf.
  • Sie verschieben eigene Arzttermine immer wieder.
  • Sie haben häufiger Rücken- oder Kopfschmerzen.
  • Sie grübeln viel oder haben ständig ein schlechtes Gewissen.
  • Sie denken öfter: „Ich kann nicht mehr.“

Diese Liste ersetzt keine ärztliche Einschätzung. Sie soll Ihnen helfen, auf sich zu schauen. Wenn Sie sich in mehreren Punkten wiederfinden, sprechen Sie mit jemandem darüber, zum Beispiel mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Offen reden: Gespräche in der Familie

Oft liegt die Pflege vor allem auf einer Person. Die anderen helfen „wenn es passt“. Das führt leicht zu Enttäuschung auf beiden Seiten. Ein offenes Gespräch kann viel verändern.

  • Machen Sie sichtbar, was Sie leisten. Schreiben Sie eine Woche lang auf, welche Aufgaben anfallen und wie lange sie dauern.
  • Laden Sie zu einem Familiengespräch ein. Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, nicht mitten in einem Streit.
  • Bitten Sie um Konkretes. „Kannst du jeden Dienstag die Einkäufe übernehmen?“ wirkt besser als „Ihr könntet mehr helfen.“
  • Denken Sie an alle Möglichkeiten. Wer weiter weg wohnt, kann Telefonate mit der Pflegekasse führen, Anträge ausfüllen oder Termine organisieren.
  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person ein, soweit es möglich ist. Es geht um ihr Leben.

Wenn Gespräche immer wieder im Streit enden, kann eine neutrale Person helfen, etwa eine Pflegeberaterin oder ein Pflegeberater.

Hilfe annehmen fällt oft schwer

Viele Angehörige zögern lange, bevor sie Hilfe annehmen. Manche haben versprochen, immer selbst zu pflegen. Andere schämen sich oder befürchten, dass die pflegebedürftige Person fremde Hilfe ablehnt. Oft ist auch unklar, was das kosten würde.

Einige Gedanken, die helfen können:

  • Hilfe ist Teil guter Pflege. Wenn jemand anderes einen Teil übernimmt, haben Sie wieder Kraft für Zuwendung und gemeinsame Zeit.
  • Klein anfangen. Eine Stunde Betreuung pro Woche oder Hilfe beim Putzen ist ein guter erster Schritt.
  • Leistungen stehen Ihnen zu. Die Pflegeversicherung bezahlt verschiedene Entlastungen, etwa Verhinderungspflege, Tagespflege oder den Entlastungsbetrag. Den Überblick finden Sie unter Entlastung für pflegende Angehörige.
  • Ablehnung ist oft Angst. Wer pflegebedürftig ist, fürchtet, die Kontrolle zu verlieren. Geben Sie Zeit, und lassen Sie Ihren Angehörigen mitentscheiden, wer kommt und wann.

Bei Demenz kann es besonders schwer sein, neue Hilfe einzuführen. Hinweise dazu finden Sie unter Herausfordernde Situationen bei Demenz.

Selbstfürsorge im Alltag: kleine Schritte

Selbstfürsorge muss nicht groß sein. Es geht darum, sich regelmäßig kleine Freiräume zu schaffen.

  • Feste Pausen einplanen. Tragen Sie Zeiten nur für sich in den Kalender ein, wie einen Termin.
  • Eigene Gesundheit ernst nehmen. Gehen Sie zu Vorsorge- und Arztterminen, auch wenn es organisatorisch schwierig ist.
  • Kontakte pflegen. Ein Telefonat mit einer Freundin oder ein Kaffee mit dem Nachbarn kann viel bewirken.
  • Bewegung und frische Luft. Schon ein kurzer Spaziergang hilft vielen, den Kopf freizubekommen.
  • Grenzen setzen. Sie müssen nicht alles allein schaffen. Es ist in Ordnung, Nein zu sagen.
  • Sicher pflegen lernen. Wer die richtigen Handgriffe kennt, schont den eigenen Rücken und fühlt sich sicherer. Dafür gibt es kostenlose Pflegekurse und Pflegeschulungen zu Hause.

Beratung und Gespräche: Wer Ihnen zuhört

Sie müssen nicht allein nach Lösungen suchen. Diese Stellen können helfen:

  • Pflegeberatung: Pflegebedürftige haben Anspruch auf Pflegeberatung durch ihre Pflegekasse. Auf Wunsch werden Angehörige einbezogen, und die Beratung kann zu Hause stattfinden.
  • Pflegestützpunkte: In manchen Bundesländern gibt es Pflegestützpunkte. Sie beraten unabhängig und helfen, passende Angebote vor Ort zu finden.
  • Beratungsbesuch: Wer Pflegegeld bezieht, ruft regelmäßig einen Beratungsbesuch zu Hause ab. Sprechen Sie dabei ruhig offen an, wie es Ihnen geht.
  • Gesprächsgruppen für Angehörige: Der Austausch mit Menschen in einer ähnlichen Lage entlastet viele. Fragen Sie bei der Pflegeberatung nach Angeboten.
  • Entlastende Gespräche: Auch eine psychologische Begleitung kann helfen, Belastungen zu sortieren.

In einer Krise: sofort Hilfe holen

Manchmal wird es plötzlich zu viel. Dann ist es wichtig, sich schnell Unterstützung zu holen.

  • Hausärztin oder Hausarzt: Hier können Sie über Erschöpfung, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit sprechen.
  • TelefonSeelsorge: kostenfrei, anonym und Tag und Nacht erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Auf der Internetseite der TelefonSeelsorge gibt es auch Chat und Mail.
  • Notruf 112: bei akuter Gefahr für Sie oder andere.

Wenn Sie merken, dass Sie in der Pflege laut werden, grob anfassen oder die Geduld verlieren, ist das ein wichtiges Warnsignal. Gehen Sie kurz aus dem Raum, wenn Ihr Angehöriger sicher ist, und atmen Sie durch. Holen Sie sich danach Hilfe, damit sich die Situation nicht wiederholt. Darüber zu sprechen ist mutig und schützt Sie beide.

Was bedeutet das für mich?

  • Nehmen Sie Warnzeichen ernst, bevor Sie selbst krank werden.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrer Familie und bitten Sie um konkrete Hilfe.
  • Nutzen Sie die Entlastung, die Ihnen zusteht. Welche Leistungen infrage kommen, können Sie mit dem PflegeCheck prüfen.
  • Holen Sie sich Rat bei der Pflegeberatung, und in einer Krise sofort Hilfe.
  • Planen Sie jede Woche etwas ein, das nur Ihnen guttut.

Häufig gestellte Fragen

Ist es normal, dass ich manchmal wütend auf meinen Angehörigen bin?

Viele pflegende Angehörige kennen Gefühle wie Wut, Ungeduld oder Traurigkeit. Das macht Sie nicht zu einem schlechten Menschen. Wichtig ist, solche Gefühle ernst zu nehmen und darüber zu sprechen. Wenn Sie merken, dass Sie in der Pflege laut oder grob werden, holen Sie sich bitte rasch Unterstützung.

Wo bekomme ich Beratung, wenn mir alles zu viel wird?

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Pflegeberatung durch ihre Pflegekasse, auf Wunsch gemeinsam mit Angehörigen und auch zu Hause. In manchen Bundesländern gibt es zusätzlich Pflegestützpunkte. Für die eigene Gesundheit ist Ihre Hausarztpraxis eine gute Anlaufstelle.

Mein Vater will keine fremde Hilfe. Was kann ich tun?

Beginnen Sie mit kleinen Schritten, etwa einer Hilfe im Haushalt oder einem festen Besuchstermin. Erklären Sie ehrlich, dass Sie die Unterstützung brauchen, um weiter für ihn da sein zu können. Manchmal hilft es auch, wenn eine neutrale Person wie eine Pflegeberaterin das Gespräch begleitet.

Wer bezahlt eine Auszeit für mich?

Ab Pflegegrad 2 kommt die Verhinderungspflege infrage, auch stundenweise. Zusätzlich gibt es für alle Pflegegrade den Entlastungsbetrag, zum Beispiel für Betreuung. Ab Pflegegrad 2 kann auch die Tagespflege regelmäßig freie Tage schaffen.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Erschöpfung, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit über längere Zeit anhalten oder Sie körperliche Beschwerden haben, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. In einer akuten seelischen Krise erreichen Sie die TelefonSeelsorge kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 112.

Quellen & Stand

Zuletzt geprüft: 29.09.2026.

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Pflegekasse, Ärztin oder Arzt. Welche Leistungen im Einzelfall zustehen, entscheidet die Pflege- bzw. Krankenkasse.

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