Kurz erklärt
Bewegung erhält Muskelkraft und Gleichgewicht und ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen Stürze. Guter Schlaf hängt im Alter stark von einem festen Tagesrhythmus, Tageslicht und Aktivität ab. Schlafmittel und einige andere Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen; ob eine Änderung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Wer nach einem Sturz nicht allein aufstehen kann, braucht schnell Hilfe, im Notfall über die 112.

Bewegung, Schlaf und Sicherheit hängen eng zusammen. Wer sich wenig bewegt, verliert Kraft und wird unsicher. Wer schlecht schläft, ist tagsüber müde und unaufmerksam. Und manche Medikamente, die beim Schlafen helfen sollen, machen die Beine wackelig. Dieser Beitrag zeigt, wo Sie im Alltag ansetzen können. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden, Schwindel oder nach einem Sturz sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Warum Bewegung so viel bewirkt
Mangelnde Bewegung führt zum Verlust von Muskelkraft. Das erhöht das Risiko für Stürze, und nach einem Sturz bewegen sich viele Menschen aus Angst noch weniger. So kann ein Kreislauf entstehen, der den Pflegebedarf weiter erhöht. Umgekehrt gilt: Wer in Bewegung bleibt, schützt sich aktiv vor Stürzen. Bewegung beugt außerdem Druckstellen vor, mehr dazu im Beitrag Haut- und Mundpflege, Druckgeschwüren vorbeugen.
Bewegung, die zum Alltag passt
Für ältere Menschen, die dazu in der Lage sind, nennt das Gesundheitsportal des Bundes als Orientierung mindestens 150 Minuten mäßige Bewegung pro Woche, etwa zügiges Gehen, und an zwei Tagen Übungen für die Muskelkraft. Wer in der Beweglichkeit eingeschränkt ist, sollte zusätzlich das Gleichgewicht trainieren.
Für viele pflegebedürftige Menschen ist das nicht erreichbar. Dann zählt jede Bewegung im Alltag:
- Selbst tun lassen. Beim Waschen, Anziehen oder Tischdecken so viel wie möglich selbst machen lassen, auch wenn es länger dauert. In der Pflege nennt man das aktivierende Pflege.
- Kleine Wege nutzen. Zum Essen an den Tisch gehen, ans Fenster, zur Haustür.
- Übungen anleiten lassen. Welche Kraft- und Gleichgewichtsübungen sicher sind, zeigt am besten die Physiotherapie oder ein Kurs. Fangen Sie behutsam an und fragen Sie vorher ärztlich nach.
- Gemeinsam rausgehen. Ein Spaziergang an der frischen Luft tut Körper und Stimmung gut und hilft beim Schlafen.
Gut schlafen im Alter
Der Schlaf verändert sich mit den Jahren: Die leichten Schlafphasen nehmen zu, der Tiefschlaf wird kürzer. Viele wachen nachts häufiger auf. Hinzu kommen oft Schmerzen, nächtlicher Harndrang oder andere Beschwerden.
Was helfen kann:
- Fester Rhythmus. Möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen.
- Tageslicht und Bewegung. Aktivität an der frischen Luft stärkt den Tag-Nacht-Rhythmus.
- Kurzer Mittagsschlaf. Ein Nickerchen von bis zu etwa 30 Minuten kann Energie geben. Längeres Schlafen am Tag stört oft die Nacht.
- Koffein früh. Kaffee, schwarzer Tee oder Cola können den Schlaf stören, am besten nur bis mittags.
- Rituale. Ein Abendspaziergang, ein warmes Getränk oder eine feste Abendroutine helfen beim Abschalten.
Halten Schlafprobleme länger an, ist Ihr Angehöriger tagsüber stark erschöpft oder schnarcht er sehr laut, sprechen Sie das bitte in der Hausarztpraxis an.
Schlafmittel und andere Medikamente: Sturzrisiko im Blick
Schlafmittel können Gangunsicherheit, ein erhöhtes Sturzrisiko und ungewollten Urinverlust verursachen und abhängig machen. Auch andere Medikamente können die Sturzgefahr erhöhen, zum Beispiel starke Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychopharmaka oder blutdrucksenkende Mittel.
Das heißt nicht, dass diese Medikamente falsch sind. Setzen Sie sie nie eigenmächtig ab. Bitten Sie aber die Hausärztin oder den Hausarzt, die Medikamente mit Blick auf Stürze zu überprüfen, besonders wenn Ihr Angehöriger schon gestürzt ist oder über Schwindel klagt. Mehr dazu im Beitrag Medikamente im Pflegealltag sicher handhaben.
Stürze: Wie häufig und warum?
Laut Gesundheitsportal des Bundes stürzen etwa 30 von 100 Menschen über 65 Jahren, die zu Hause leben, einmal im Jahr. Die meisten Stürze gehen glimpflich aus. Ein Teil führt aber zu Verletzungen wie Knochenbrüchen und kann die Selbstständigkeit dauerhaft einschränken.
Häufige Ursachen sind:
- nachlassende Muskelkraft und Gleichgewicht
- schlechtes Sehen
- Schwindel, zum Beispiel durch niedrigen Blutdruck
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Stolperfallen wie Teppichkanten, lose Kabel, glatte Böden oder schlecht sitzende Schuhe
Stürzen vorbeugen: Körper, Wohnung, Hilfsmittel
Vorbeugen gelingt am besten auf mehreren Wegen gleichzeitig:
- In Bewegung bleiben und Kraft und Gleichgewicht trainieren, wie oben beschrieben.
- Augen prüfen lassen und bei Bedarf eine neue Brille besorgen.
- Medikamente ärztlich überprüfen lassen.
- Die Wohnung sicher machen. Freie Wege, gutes Licht, besonders nachts auf dem Weg zur Toilette, und feste Schuhe. Raum für Raum zeigt Ihnen das unsere interaktive Wohnung „Sicher zu Hause“.
- Hilfsmittel nutzen. Ein gut eingestellter Rollator, Haltegriffe oder ein Pflegebett geben Halt. Technische Pflegehilfsmittel stellt die Pflegekasse oft leihweise zur Verfügung. Für größere Umbauten gibt es einen Zuschuss für die Wohnraumanpassung, mehr dazu im Beitrag Wohnraumanpassung.
Nach einem Sturz
Bleiben Sie ruhig und lassen Sie Ihren Angehörigen einen Moment ankommen. Helfen Sie nur beim Aufstehen, wenn er keine starken Schmerzen hat und es sicher geht. Wer allein lebt, sollte für den Notfall eine Möglichkeit haben, Hilfe zu rufen, zum Beispiel ein Telefon in Reichweite oder einen Hausnotruf.
Erzählen Sie der Hausärztin oder dem Hausarzt von jedem Sturz, auch wenn nichts passiert ist. So lassen sich mögliche Ursachen wie Schwindel oder Medikamente gezielt ansehen.
Was bedeutet das für mich?
Sie können viel tun, ohne Fachkraft zu sein: Ihren Angehörigen ermutigen, selbst aktiv zu bleiben, auf einen festen Tagesrhythmus achten, Stolperfallen beseitigen und Medikamente ärztlich überprüfen lassen. Bei einem Sturz zählt schnelle Hilfe.
Wie Sie sicher beim Aufstehen und Gehen unterstützen, ohne sich selbst zu verheben, lernen Sie in einer kostenlosen Pflegeschulung bei Ihnen zu Hause. Welche Hilfen und Zuschüsse Ihnen zustehen, zeigt der PflegeCheck.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Bewegung ist im Alter sinnvoll?
Für ältere Menschen, die dazu in der Lage sind, nennt das Gesundheitsportal des Bundes mindestens 150 Minuten mäßige Bewegung pro Woche und an zwei Tagen Übungen für die Muskelkraft, bei Einschränkungen zusätzlich Gleichgewichtsübungen. Für pflegebedürftige Menschen zählt jede Bewegung im Alltag. Was zu Ihrem Angehörigen passt, besprechen Sie ärztlich oder mit der Physiotherapie.
Sollte mein Angehöriger seine Schlaftabletten absetzen?
Nicht eigenmächtig. Schlafmittel können zwar Gangunsicherheit und Sturzrisiko erhöhen, ob und wie die Behandlung geändert wird, entscheidet aber die Ärztin oder der Arzt. Sprechen Sie Ihre Sorge in der Hausarztpraxis an.
Ist ein Mittagsschlaf im Alter schlecht für die Nacht?
Ein kurzes Nickerchen von bis zu etwa 30 Minuten kann neue Energie geben. Längere Schlafphasen am Tag können den Nachtschlaf stören.
Was tun, wenn mein Angehöriger gestürzt ist, aber unverletzt wirkt?
Lassen Sie ihn in Ruhe ankommen und helfen Sie nur beim Aufstehen, wenn er keine Schmerzen hat und es sicher geht. Erzählen Sie der Hausärztin oder dem Hausarzt von jedem Sturz, damit mögliche Ursachen wie Schwindel oder Medikamente angesehen werden können.
Zahlt die Pflegekasse Hilfen gegen Stürze?
Für Umbauten wie Haltegriffe oder eine bodengleiche Dusche kann die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 einen Zuschuss von bis zu 4.180 € je Maßnahme zahlen. Pflegehilfsmittel wie ein Pflegebett werden oft leihweise gestellt. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Pflegekasse.
Quellen & Stand
Zuletzt geprüft: 29.09.2026.
- gesund.bund.de (BMG): Stürze bei älteren Menschen
- gesund.bund.de (BMG): Gesunder Schlaf im Alter
- gesund.bund.de (BMG): Ernährung und Bewegung im Alter
- BIÖG – Gesund aktiv älter werden: Sturzprävention
- gesund.bund.de (BMG): Pflegewissen für pflegende Angehörige
- § 40 SGB XI – Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Pflegekasse, Ärztin oder Arzt. Welche Leistungen im Einzelfall zustehen, entscheidet die Pflege- bzw. Krankenkasse.
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Persönliche Unterstützung
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